In fast jeder Stadt trifft Altes auf Neues. Ein Fachwerkhaus steht neben einer Glasfassade, ein Kirchturm ragt hinter einem Baukran hervor, und ein Kopfsteinpflaster führt zu einer modernen Haltestelle. Solche Gegensätze eignen sich hervorragend als Motiv, denn sie erzählen von der Zeit, ohne ein Wort zu brauchen. Du musst nur langsam gehen und mit offenen Augen schauen.
Den Gegensatz sichtbar machen
Suche einen Standort, an dem beide Seiten im Bild Platz haben. Oft hilft es, ein Stück zurückzutreten und den Bildausschnitt so zu wählen, dass das Alte links und das Neue rechts steht oder umgekehrt. Ein Bild, das genau in der Mitte geteilt ist, wirkt manchmal streng, aber es kann auch sehr klar sein. Probiere beides aus und entscheide später.
Spiegelungen sind ein wunderbares Hilfsmittel. In einer Glasfassade spiegelt sich das alte Haus gegenüber, und schon sind beide Zeiten in einem einzigen Bild vereint. Achte dabei auf Wolken und Licht, denn sie verändern die Spiegelung ständig. Ein leichter Wechsel der Position, ein Schritt nach links oder rechts, kann aus einem langweiligen Bild ein besonderes machen.
Das beste Licht liegt oft am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Dann fällt es schräg auf Mauern und Fassaden und lässt Strukturen wie Steine, Holz und Putz deutlich hervortreten. Bei Bewölkung wirken die Farben ruhiger, was bei modernen Gebäuden schöne, zurückhaltende Bilder ergibt. Nimm auch Details auf, zum Beispiel eine alte Tür neben einer neuen, oder einen Schriftzug an einer Hauswand.
Auch die Perspektive macht viel aus. Von unten fotografiert wirken alte Türme mächtig und moderne Hochhäuser noch höher, aus Augenhöhe wirkt die Straße vertraut. Geh in die Hocke, um das Kopfsteinpflaster im Vordergrund zu zeigen, und lass dahinter die neue Fassade stehen. Der Blick wandert dann vom Alten zum Neuen, und das Bild bekommt eine Richtung. Prüfe am Ende, ob die senkrechten Linien gerade stehen, denn stürzende Häuser lassen sich leicht ausgleichen.
Wenn Menschen im Bild sind, sollten sie nicht erkennbar im Mittelpunkt stehen, es sei denn, sie sind einverstanden. Eine kleine Gestalt, die durch eine Gasse geht, gibt dem Bild Maßstab und Leben. Fotografiere nicht in private Fenster und Gärten hinein. Am Ende ergibt eine kleine Reihe von Bildern eine schöne Erzählung über deine Stadt, und du siehst sie danach mit anderen Augen.