Farbsättigung mit Gefühl: natürlich statt knallig

Landschaftsillustration

Wer Bilder bearbeitet, entdeckt bald den Regler für die Farbsättigung. Ein kleiner Schub, und der Himmel wird blauer, die Wiese grüner, der Herbstwald leuchtet. Das sieht zuerst großartig aus. Doch Farben, die zu stark sind, wirken schnell künstlich, und wer ein solches Bild länger ansieht, ermüdet. Mit ein wenig Zurückhaltung bleibt ein Foto glaubwürdig und schön zugleich.

Kleine Schritte, häufiges Vergleichen

Erhöhen Sie die Sättigung nur wenig und schauen Sie sich das Bild danach aufmerksam an. Das Auge gewöhnt sich sehr schnell an starke Farben, sodass man immer mehr will. Legen Sie deshalb das Telefon zwischendurch weg, gehen Sie ein Stück, trinken Sie etwas, und sehen Sie das Bild danach noch einmal an. Oft merken Sie dann, dass Sie schon zu weit gegangen sind.

Hauttöne sind besonders empfindlich. Wenn Gesichter orange oder rötlich werden, wirkt das Bild sofort ungesund. Nehmen Sie die Sättigung lieber zurück, wenn Menschen im Vordergrund stehen. Auch Himmel und Gras verlieren schnell ihre Natürlichkeit, wenn sie zu intensiv werden. Ein zarteres Blau erinnert viel besser an den Tag, an dem Sie das Foto gemacht haben.

Vergleichen Sie mit dem Original. Die meisten Programme erlauben, das ursprüngliche Bild kurz anzusehen. Fragen Sie sich, ob die bearbeitete Version dem Ort und der Stimmung entspricht, an die Sie sich erinnern. Wenn ja, ist es gut. Wenn nicht, gehen Sie einen Schritt zurück. Ein Foto muss nicht so aussehen wie ein Prospekt, es darf so aussehen wie ein erinnerter Augenblick.

Einzelne Farben lassen sich oft getrennt behandeln. Wenn nur das Rot der Paradeiser oder das Gelb der Marillen ein wenig kräftiger werden soll, ist das besser, als das ganze Bild aufzudrehen. In manchen Programmen können Sie mit dem Finger nur einen Bereich auswählen. Arbeiten Sie auch hier langsam, und vermeiden Sie harte Übergänge, die man später als Fleck erkennt.

Manchmal ist sogar weniger Sättigung schöner. Ein Bild in gedämpften Farben, etwa an einem nebligen Morgen in den Bergen oder in der alten Stube, hat eine ruhige Stimmung, die man mit kräftigen Farben zerstört. Wenn Sie mehrere Bilder für eine Reihe bearbeiten, halten Sie die Stärke in allen ungefähr gleich. Dann passt alles zusammen, und keines drängt sich auf.